Rückschlag oder Chance?
Open Startup Quarterly Q2 2026

Wir haben zwei neue Mitarbeiterinnen sorgfältig eingearbeitet – und jetzt verlässt uns Mona bereits nach drei Monaten wieder. Ausserdem diskutieren wir, wie weit Transparenz gehen darf, wenn sie Menschen betrifft, und ob KI unseren Open-Startup-Ansatz verändert.

Willkommen bei unserem Open Startup Quarterly für das zweite Quartal 2026.

Pläne und Wirklichkeit

Wir machen gute Pläne, geben unser Bestes und starten mit viel Energie. Und dann kommt es anders.

Das hat unser Gründer und CEO Stefan im vergangenen Jahr erlebt. Er gab seine Wohnung und einen grossen Teil seines Besitzes auf und reiste nach Asien mit dem Plan, ein Jahr lang unterwegs zu sein. Bereits vor seiner Abreise berichtete der Tages-Anzeiger darüber.

Sechs Wochen später war Stefan wieder zurück.

Jetzt ist ein neuer Artikel über seine Rückkehr und die Gründe erschienen. Den Link dazu und warum er seine Planänderung nicht als Scheitern erlebt, erfährst du in Stefans LinkedIn-Post.

Auch bei Friendly kam es in diesem Quartal anders. Noch mitten in der Einarbeitung und den ersten Erfolgen verabschiedete sich eine unserer zwei neuen Mitarbeiterinnen wieder von uns – und warf Fragen auf, die über diese einzelne Stelle hinausgehen.

Daneben war das zweite Quartal geschäftig: Wir waren am Swiss Software Festival, wo Stefan einen Vortrag hielt, begleiteten das Rebranding von visavis (vorher Branchen Versicherung), entwickelten eigene Plugins für Friendly Automate – unter anderem eine Captcha-Lösung, Zwei-Faktor-Authentifizierung und Content Blocks – und arbeiteten an mehreren grösseren Offerten.

In diesem Bericht teilen wir unsere Finanzen, die Geschichte unserer neuen Mitarbeiterinnen, und wie es jetzt weitergeht.

Die Zahlen

Das sind unsere Zahlen fürs zweite Quartal 2026:

  • 🤖 Software-Umsatz: 124 114 CHF (+3 %)
  • 🧠 Consulting-Umsatz: 30 534 CHF (+52 %)
  • 💰 Gesamt-Umsatz: 154 648 CHF (+10 %)
  • 👩‍🦰 Kosten Personal: - 124 540 CHF (+34 %)
  • ⚙️ Kosten Produkt & Admin: - 17 557 CHF (+6 %)
  • 📣 Kosten Marketing & Events: - 14 424 CHF (-10 %)
  • 💛 Spenden: - 1 611 CHF (+0.4 %)
  • 💸 Gesamt-Kosten: - 158 132 CHF (+24 %)
  • 🏆 Verlust: - 3 484 CHF (-126 %)
  • 🍰 Gewinn-Marge: - 2.3 %  (-124 %)

Unser wiederkehrender Umsatz mit Software-Abos stieg im zweiten Quartal 2026 nur leicht um +3 % auf 124 114 CHF. Neben mehreren Neukunden trug auch die Entwicklung bestehender Abos zum Anstieg bei.

Gleichzeitig verzeichneten wir mit 30 534 CHF nach dem schwächeren Q1 wieder ein sehr gutes Consulting-Ergebnis. Wir setzten unter anderem Custom-Entwicklungen für ein Pharma-Unternehmen und ein Spital um, halfen Kunden, ihr Analytics-Tracking zu optimieren und unterstützten unsere Kundin visavis (vorher Branchen Versicherung) beim erfolgreichen Rebranding.

Unser Gesamtumsatz lag damit im zweiten Quartal 2026 bei soliden 154 648 CHF.

Im zweiten Quartal stiegen unsere Personalkosten durch die Neuanstellung unserer zwei neuen Mitarbeiterinnen sowie Pensenanstieg unseres Senior-Entwicklers Matic Zagmajster stark an, von 92 799 CHF im Q1 auf jetzt 124 540 CHF. Auch Stefans bezahltes Pensum erhöhten wir weiter von 45 % auf 55 %.

Die Kosten für Produkt, Events und Spenden blieben konstant. Im Bereich Marketing sanken unsere Kosten, da in diesem Quartal unsere Partnerkommissionen etwas niedriger ausfielen. Dafür stiegen unsere Buchhaltungskosten leicht an.

Insgesamt gleichen sich diese kleineren Posten nahezu aus, sodass der Gesamtkostenanstieg um über 30 000 CHF oder ganze +24 % auf insgesamt 158 132 CHF vollständig auf die höheren Lohnkosten zurückgeht.

Am Ende des Quartals steht damit erstmals seit Q1 2023 wieder ein Verlust von - 3 484 CHF.

Dass wir durch die personelle Investition vorübergehend ins Minus rutschen würden, war kalkuliert, und wir können den Verlust durch die bisherigen Gewinne gut ausgleichen. In den nächsten Monaten müssen wir zeigen, dass wir die Investition in höheren Umsatz umwandeln können.

Hier noch einmal alle Zahlen vom zweiten Quartal 2025 bis zum zweiten Quartal 2026 im Überblick:

Q2 2025Q3 2025Q4 2025Q1 2026Q2 2026
MRR77 249 CHF90 906 CHF102 595 CHF120 085 CHF124 114 CHF
Consulting44 789 CHF35 584 CHF32 796 CHF20 134 CHF30 534 CHF
Gesamtumsatz122 038 CHF126 490 CHF135 391 CHF140 219 CHF154 648 CHF
Kosten Personal- 73 633 CHF- 81 944 CHF- 93 758 CHF- 92 799 CHF- 124 540 CHF
Kosten Produkt & Admin - 16 196 CHF- 16 379 CHF- 16 647 CHF- 16 564 CHF- 17 557 CHF
Kosten Marketing & Events - 9 607 CHF- 9 439 CHF- 12 396 CHF- 16 094 CHF- 14 424 CHF
Spenden- 1 166 CHF- 2 378 CHF- 1 609 CHF- 1 605 CHF- 1 611 CHF
Gesamtkosten- 100 602 CHF- 110 140 CHF- 124 410 CHF- 127062 CHF- 158 132 CHF
Gewinn/Verlust+ 21 436 CHF+ 16 350 CHF+ 10 982 CHF+ 13 157 CHF- 3 484 CHF
Gewinnmarge17.6 %12.9 %8.1 %9.4 %- 2.3 %
Kennzahlen bei Friendly vom zweiten Quartal 2025 bis zum zweiten Quartal 2026

Ein guter Start – und ein früher Abschied

Im Januar 2026 hatten wir eine Stelle für einen Customer Success Specialist ausgeschrieben. Im Verlauf des Recruitings überzeugte uns jedoch die Kombination aus zwei Bewerbungen so sehr, dass wir uns entschieden, zwei Mitarbeiterinnen im Jobsharing einzustellen.

Im April 2026 kamen Mona Sorcelli und Ágota Dimén zu Friendly.

Mona Sorcelli

Mona bringt 17 Jahre Erfahrung in Projektmanagement, Online-Marketing und Design mit. Sie kennt sich mit Software-Testing, HTML und CSS aus und hat auch bereits im Kundensupport gearbeitet.

Mona betreibt ausserdem ihr eigenes Unternehmen und war an der Gründung eines Coworking-Spaces in Dietikon beteiligt. Zuletzt hat sie drei Jahre bei Cyon gearbeitet, wo sie viel mit Matomo zu tun hatte – der Open-Source-Software hinter Friendly Analytics.

Auch persönlich war Mona für uns keine Unbekannte: Sie und Stefan kennen sich seit vielen Jahren, und Stefan bezeichnet sie respektvoll als «Grösse im Digitalen Marketing in der Schweiz».

Ágota Dimén

Ágotas Bewerbung erreichte uns am letzten Tag der Ausschreibung – in Form eines «Open Applicant Reports». Ágota versprach darin <4 Std. Resolution Time, gab einen Einstellungs-Guide in 7 Schritten und erklärte, was ihre Motivation mit Babywerbung zu tun hat.

Alles richtig gemacht: Ganz ehrlich, wer kann sich nicht in diesen Open Applicant Report verlieben?

Ágota arbeitet seit rund 15 Jahren in der Kundenbetreuung und bringt zusätzlich mehrere Jahre Erfahrung im Marketing mit. Einige kennen sie möglicherweise auch aus ihrer Late Night Show oder als Sidekick von Deville – Ágota weiss Humor und Professionalität auf beeindruckende Weise zu vereinen.

Luke bereitete für beide ein sorgfältiges Onboarding vor, unterstützt durch Schulungen von Kathrin, Joey und Peter: Joey gab den neuen Mitarbeiterinnen eine erste Einführung in Friendly Automate, Peter stellte ihnen Friendly Analytics vor, und Kathrin traf sich mit Mona und Ágota persönlich in Bern, um ihnen unsere Firmenkultur vorzustellen, die uns besonders wichtig ist.

Zu diesem Anlass haben wir die Grundlagen unserer Firmenkultur auch auf unserer Webseite veröffentlicht.

Mona übernahm schon bald die Rolle als Customer Support Lead, schrieb ein Playbook für unseren Support und begleitete schon nach kurzer Einarbeitungszeit verantwortungsvoll das Rebranding unserer Kundin visavis (vorher Branchen Versicherung).

Ágota deckte gemeinsam mit Mona den Support ab, begann Anleitungen für unsere Wissensdatenbank zu schreiben und übernahm administrative Aufgaben rund um Rechnungswesen und Kundenverwaltung von Stefan, den sie damit ebenfalls nach nur kurzer Einarbeitungszeit schon spürbar entlastete.

Dann teilte Mona uns nach rund drei Monaten mit, dass sie Friendly aus persönlichen Gründen wieder verlassen würde.

Die Nachricht kam unerwartet. Nach dem langen Recruiting und der intensiven Einarbeitung hatten wir gerade das Gefühl, dass unsere neue Aufstellung zu greifen begann. Monas Abschied war für uns deshalb im ersten Moment ein kleiner Schock – organisatorisch, aber auch menschlich.

Gleichzeitig verstehen und respektieren wir ihre Entscheidung. Wir wünschen Mona von Herzen alles Gute für ihre Gesundheit und ihre Familie und freuen uns auf weitere Begegnungen mit ihr.

Mona hat in ihrer kurzen Zeit bei Friendly Verantwortung übernommen und sichtbare Spuren hinterlassen. Sie hat Strukturen im Kundensupport aufgebaut und gute Ideen eingebracht.

Mit Monas Weggang verlieren wir eine geschätzte Kollegin und müssen Aufgaben neu verteilen. In den folgenden Wochen haben wir im Management aber auch intensiv darüber diskutiert, was Friendly in der nächsten Phase wirklich braucht, und konnten die Planänderung in spannende neue Perspektiven umwandeln.

Aktuell nur soviel: Wir werden die freigewordene Stelle nicht unmittelbar neu besetzen. Was wir darüber hinaus an der Ausrichtung von Friendly ändern, darüber mehr im nächsten Open Startup Quarterly.

Wie transparent sollen wir sein?

Ausgehend von Monas Weggang und der aktuellen intensiven Entwicklung von KI sind wir wieder neu vor die Frage gestellt, wie transparent wir sein sollen.

Transparenz gehört seit der Gründung zu Friendly. Aber Transparenz ist für uns kein Selbstzweck. Sie hat Grenzen – besonders dann, wenn nicht nur unser Unternehmen, sondern einzelne Menschen betroffen sind.

Mit Mona haben wir ergebnisoffen besprochen, ob wir den Bericht über sie vollständig anonym halten oder ihren Namen und die Ereignisse benennen sollen – Mona hat sich selbst dafür entschieden, dass wir ihre Geschichte erzählen dürfen.

«Transparenz ist für mich nur dann glaubwürdig, wenn sie freiwillig ist. Unsere Mitarbeitenden entscheiden selbst, was wir über sie erzählen – und ein Nein wäre für uns genauso selbstverständlich wie ein Ja.»

Kathrin Schmid, CMO und CISO von Friendly

Wer bei einem Open Startup arbeitet, weiss natürlich, dass im Unternehmen mehr öffentlich besprochen wird als anderswo. Aber Transparenz soll Vertrauen schaffen. Sobald sie auf Kosten einzelner Menschen geht, erreicht sie das Gegenteil.

Als weitere Frage beschäftigt uns Transparenz in Zeiten von KI: Ist es in Zeiten von KI überhaupt noch klug, so transparent über unser Unternehmen zu berichten?

Auslöser war ein Blogpost von Arvid Kahl, der für Stefan bei der Gründung von Friendly ein wichtiges Vorbild war. Arvid baute sein früheres Softwareunternehmen FeedbackPanda öffentlich auf und teilte unter anderem seine wiederkehrenden Umsätze. Diese Sichtbarkeit weckte finanzielles Interesse und trug letztlich zum lukrativen Verkauf des Unternehmens bei.

Heute warnt er davor, zu viele Informationen öffentlich zu machen. KI erleichtere es, Erfolgsmodelle zu klonen, und gefährde so den Erfolg des eigenen Unternehmens.

Alle öffentlich zugänglichen Informationen sollten deshalb folgendem Filter entsprechen:

«Interesting to participate in. Not easy to clone.»

Arvid Kahl, The Bootstrapped Founder

Öffentliche Berichte sollen das Interesse wecken, den Weg mitzuverfolgen, aber nicht diejenigen Informationen preisgeben, die es bräuchte, um mit wenig Aufwand ein konkurrierendes Unternehmen aufzustellen.

Unsere Berichte bestehen diesen Test aus unserer Sicht. Wir geben Leads und Kund:innen Einblick in die wirtschaftliche Stabilität von Friendly sowie interessante Hintergründe, liefern aber keinen Bauplan für unser Unternehmen.

Was Friendly trägt, liegt nicht allein in unseren Produkten: Es sind auch unsere Kundenbeziehungen, unsere Firmenkultur und eine solide technische und organisatorische Infrastruktur, in die viel Erfahrung geflossen ist und weiterhin fliesst. Ein Bauplan lässt sich kopieren – Stabilität nicht.

Wir bleiben also transparent – sollten sich die Risiken grundlegend verändern, werden wir diese Entscheidung neu beurteilen.

Wir schauen vorwärts

Die nächsten Monate werden spannend. Zunächst steht unser jährlicher Retreat unmittelbar bevor – wir freuen uns auf drei Team-Tage in Bern voller persönlicher Begegnungen und Highlights.

Dann werden wir uns weiter daran machen, Friendly weiterzuentwickeln. Neue Ideen stehen im Raum und die Automatisierung verschiedener interner Prozesse sind in Umsetzung.

Wie es mit Friendly weitergeht, und ob wir den Rückschlag durch Monas Weggang wirklich als Chance nutzen konnten, davon berichten wir im nächsten Open Startup Quarterly für Q3 2026.


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